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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
"Grisgrim! Edler Werir!" brüllte ich quer durch das Höfthingrathyrd. "GRISGRIM!"Aufgeregt kam mir ein Soldat der Blymströndervördur entgegen. "Was schreit ihr so?" fragte er mich unsicher und beteuerte, sobald er mich erkannte, daß er dem Werir sogleich Bescheid sagen würde, daß die "Stadthalterin von Ulfurstud" - wie ich mich immer wieder gern selbst vorstellte, um Fragen nach der Autorität zu vermeiden - hier sei und ihn zu sprechen wünschte.
Er ließ mich ewig warten, und als er endlich kam, wirkte er verwirrt und erbost zugleich. "Was wollt Ihr, Moira?" Ich wußte sogleich, daß ich ihn aus seinem Mittagsschlaf gerissen hatte. Schadenfroh und mit festem Schritt ging ich auf ihn zu: "Weshalb habt Ihr so schnell den Wiederaufbau der Brauerei befohlen? So werden wir nie herausfinden, weshalb sie abgebrannt ist!" - " Aber, Ihr sagtet doch gestern, es sei ein Unfall gewesen!" protestierte er, "Wieso hätte ich...?" Ich unterbrach ihn jäh. "Und wenn es nun doch kein Unfall war? Wenn es ein Mord war? Oder gar ein Anschlag?" Seine Augen weiteten sich und sein Gesicht verlor mit einem Schlag seine Farbe. Ehe er antworten konnte, fuhr ich fort: "Wieso habt Ihr nicht einen Gedanken daran verschwendet, daß jemand außer mir den Braumeister umbringen wollte? Wieso nicht daran gedacht, daß die Hedensaftbrauerei, die einzige in ganz Waligoi, den Flammen vielleicht zum Opfer fallen SOLLTE?" - "Ich...", stammelte der Werir aufgeregt und völlig durcheinander. Ich überrannte ihn förmlich mit meinen Worten. "Vielleicht wußtet Ihr dies schon vorher? Vielleicht steckt IHR ja dahinter?"
Es dauerte einen Moment, eh der Werir verstand. "Jetzt reicht es aber!" brüllte er mit lauter Stimme. Sie erfüllte den ganzen Raum und Grisgrim erlangte mühsam aber doch sicher seine Fassung wieder. "Was erlaubt Ihr Unfreie Euch, so etwas zu behaupten?"
Breit grinste ich ihn an: "Ich hab nur gefragt!", drehte mich um und ging.
Es ist schön, einen Menschen zu haben, mit dem man reden kann. Wie selten hatte ich dies seit meiner Kindheit gehabt und wie oft hatte ich mich danach gesehnt. Vielleicht war das der Grund, weshalb ich meinen Werir so oft durch die Yakhmilch zog. Es machte einfach Spaß, ihn zu verwirren, und immer konnte ich mich auf seine Reaktionen verlassen. Ehe Grisgrim richtig wußte, was geschah, hatte ich auch schon das Hyrd verlassen und ihn wie einen begossenen Yeti - verwirrt und unsicher - zurückgelassen.
Irgendwann würde er es mir heimzahlen, doch diesen Moment fürchtete ich nicht besonders. Um mich wirklich zu bestrafen, mochte er mich viel zu sehr. Vielmehr war es ein Spiel, daß ich nur allzu gern gewann. Auch wußten wir beide, daß wir uns aufeinander verlassen konnten. Und das machte unsere Freundschaft so wertvoll.
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