· 23 · 24 · 25
Windspiel
Autor(en): Moira Wolfsfell
Wenige Zeit später lag ich atemlos auf einem Bett aus Moos. Ein Baum hatte sich besorgt über mich gebeugt und strich mir mit zarten Zweigen die Haare aus meinem Gesicht. Windspielgleich flatterten seine Blätter zwischen den kleinen Böen umher, die an uns vorbeihuschten. Der Himmel hatte sich vom hellen, ungemütlichen Grau in ein sattes Blau verwandelt, und ein ständig die Farbe wechselnder Regenbogen spannte sich über denselben. "Wunderschön" murmelte ich, bis meine Worte vom mich umgebenden Sturm weggezerrt wurden.
Ich erhob mich, und spürte dabei jeden einzelnen Knochen meines Körpers. Nicht, daß ich Schmerzen hatte, ich spürte mich einfach. Die Intensität, in der mein Körper meinem Gehirn klarmachte, daß er existierte, daß er nicht nur aus Haut und Knochen, sondern lebendigem Fleisch und Blut bestünde, war überwältigend. Die kleinen Härchen auf meinem Arm stellten sich wie eine Armee auf und standen stramm. Mein Rücken teilte mir knirschend mit, daß er sauer auf mich wäre, und mein Herz pochte ungeduldig und preßte jeden einzelnen Blutstropfen durch meine Adern, um mir weiszumachen, daß ich noch lebte.
Ich wollte ihm glauben.
Mein Körper beugte sich nach vorn, um sich mithilfe der Hände und Beine zu erheben. Mein Gehirn allerdings hatte keine Lust, weiter umherzuwandeln und verblieb schmollend an Ort und Stelle. Erst nach mehreren Überredungsversuchen trat es seinen Dienst an und wunderte sich über die Umgebung.
Gleißendes Sonnenlicht blendete mich, welches von dem riesigen See, der vor mir lag, gespiegelt wurde. Doch konnte das sein? Der See schlug nicht eine Welle, lag still und die Wolken am Himmel aufs genaueste widerspiegelnd vor mir, während mir der Wind um die vermutlich bereits erröteten Ohren pfiff. Mein Verstand entschied sich gegen den See, stellte fest, daß es sich vermutlich um einen riesigen Spiegel handeln müsse, und sagte mir direkt ins Gesicht, daß ich ihn nun wohl völlig verloren hätte. Komm zurück! wünschte ich mir müde und erkannte sodann, daß es sich frei von Gedanken in dieser wahrlich unwahrscheinlichen Gegend wohl besser leben lassen würde.
weiter >>>