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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Ich schritt durch die Gaststätte und setzte mich zu einer Gruppe von jungen Menn, die mit einem reizenden Würfelspiel beschäftigt waren. Wie gern hätte ich mich der Bande angeschlossen, hätte dem inneren Drang, mein Hab und Gut sinnlos zu verspielen, nachgegeben. Doch ich hatte Fragen, die keine Zeitverschwendung duldeten. Fragen nach Bráthord, Fragen nach verdächtigen Menschen, die in der letzten Zeit in Ulfurstud hätten auffallen können und welche mich zu Gedankenspielen über den Grund des Brandes verleiten könnten. Bereitwillig - ich gab eine Runde Hedensaft aus, der ihre Zungen löste - gaben sie mir Auskunft über den Braumeister:
Bráthord war, wie ich nach und nach erfuhr, der Vater eines jungen Burschen, der die meiste Zeit am Hafen herumlungerte und versuchte, den Besuchern Ulfurstuds mit Tricks und Würfelspielen ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Ich wunderte mich darüber, schließlich verdiente sein Vater als Braumeister ein gutes Geld. Doch vermutlich war gerade das der Grund für seine Unbeständigkeit und sein Drängen nach Unabhängigkeit. Ich lächelte, denn es erinnerte mich an mich selbst: Immer tat ich genau das Gegenteil von dem, was Grisgrim mir befahl.
Das Gespräch schwang um, und die Menn erzählten mir nun über einige Korsaren, die auf einem gewaltigen Skepp vor der Studur ankerten und den einen oder anderen Abend im "Plappernden Wolf" zu finden waren. Vielleicht sollte ich mich auf die Suche nach rachsüchtigen, Hedensaft verabscheuenden Korsaren machen, lachte ich in mich hinein. Möglicherweise war es aber auch ein wertvoller Hinweis auf den Tod des Braumeisters.
Brav bedankte ich mich und begab mich, nachdem meine Yakhmilch den Weg zu meinem Bauch und in meinen Kopf gefunden hatte, in Richtung Handelshyrd. Hier, so hoffte ich, würde ich dem Sohn Bráthords begegnen. Vielleicht könnte er mich aus den Wirren meiner Gedanken befreien und mir einige Antworten auf meine zahlreichen Fragen geben.


Das Glück ward mir hold. Ich fand ihn an den Eingang des Handelshyrd lehnend, gerade damit beschäftigt, einem Frysen ein selbstgeschnitzes Glücksamulett in Form eines Wolfes zu verkaufen. Ich blieb einige Fotyren von ihnen entfernt stehen, warf einen kurzen Blick auf seine Stiefel - nein, diese hatten weder Schnallen noch goldene Verzierungen - und beobachtete den Braumeistersohn aus einem gewissen Abstand heraus. Der Fryse feilschte wie es nur ein Fryse tun kann, doch Orgus, der Sohn Bráthords, hatte einen klaren Vorteil: "Werter Fryse. Ihr müßt mir dieses Amulett nicht abkaufen! Es gibt sicher viele Kaufleute, die durch dieses kleine, wertvolle und einmalige Amulett zu Ruhm und Ansehen kommen möchten! Und höret: Ihr seid nicht der erste, der mich darum bat, ihm den Glücksbringer zu verkaufen. Seht Ihr den Mann dort auf der anderen Straßenseite?" Dabei schielte er auffällig am Frysen vorbei, der sogleich den Kopf drehte. In diesem Moment begann der Junge eifrig mit den Armen zu rudern, um die Aufmerksamkeit des fremden Mannr zu erhaschen. Was ihm prompt gelang. Irritiert schaute dieser hinüber zu dem Frysen und Orgus, lächelte verwirrt und begann, nun selbst zögerlich zu winken. Siegessicher lehnte sich Orgus nun wieder zurück und grinste breit. "Wer von Euch möchte nun das Amulett besitzen?"
Der Fryse zögerte einen Moment, griff nun aber, bedrängt von einem Konkurrenten, in seinen Geldbeutel und zerrte einige Goldstücke heraus. Ich staunte nicht schlecht, als ich sah, daß er fünf ganze Goldstücke für einen häßlichen, vermutlich in nur kurzer Zeit geschnitzten Holzanhänger zahlte!
"Das Glück wird euch gewiß hold sein" , versprach Orgus und lächelte zufrieden. "Das will ich hoffen!" knurrte indes der Fryse, und ich sah eine gewisses, gieriges Funkeln in seinen Augen.

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