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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Als der Kaufmannr einige Schritte gegangen war, trat ich auf den jungen Braumeistersohn zu, der dabei war, in einem Beutel herumzuwühlen. Nur einen Augenblick später zog er ein hölzernes Amulett hervor, das dem eben verkauften aufs Haar gleichte! "Werte Kunnyr, kommt und schaut, was ich auf meiner letzten Reise in die Estliche Welt erstanden habe!" Ich trat näher und tat erstaunt."Seht, dieses wundervolle Amulett bringt dem, der es trägt, eine unvergängliche Schönheit! Nicht, daß Ihr es nötig hättet, aber..." Es reichte. Ich unterbrach ihn jäh und wußte meine soeben erfahrenen Informationen auszuspielen. "Ihr seid Orgus, nicht wahr?" fragte ich, wartete jedoch keine Antwort ab. "Ich möchte Euch einige Fragen stellen, die Ihr sicher bereit seid, mir zu beantworten!" - "Fragen? Ich wüßte nicht, was ich Euch erzählen könnte", brummte er und legte das Amulett wieder in den Beutel zurück. Doch ich lächelte siegessicher. "Ihr seid ganz sicher sehr zuvorkommend. Wenn Ihr möchtet, könnte ich auch den netten Mannr, der euch ein Amulett, welches diesem in absurder Weise ähnelte, abkaufte, dazu befragen, doch ich bin mir sicher, daß auch er nicht mehr weiß als Ihr."
Ich hatte Orgus in die Enge getrieben. Ich mußte nichts weiter tun, als abzuwarten.
"Was wollt Ihr wissen?" gab er nun nach und fläzte sich in den Eingang des Handelshyrd. Stolz über mein Verhandlungsgeschick schaute ich ihn an. Er war etwa 16 Jahre alt, wirkte durch seinen schmalen Körperbau jedoch weit jünger und dazu sehr verletzlich. Sicher war dieser unschuldige Anblick einer der Gründe, weshalb er solch großen Erfolg im Betrügen hatte. Seine Augen jedoch waren kühl und stumpf. Ich wunderte mich, wie ein so junger Mensch so abgebrüht wirken konnte wie er. Vielleicht sollte ich nicht zu forsch vorgehen und ihn ein wenig durch Freundlichkeit locken. "Hört zu", sagte ich nun sanft "es tut mir sehr leid um Euren Vater. Er war ein guter Mannr!"
"Spart Euch Eure Mühe!" entgegnete er rüde. "Mein Vater war nichts als ein alter Narr! Es ist kein Verlust, daß er tot ist! Im Gegenteil! Es ist ein Segen! Und nun laßt mich in Ruhe meinen Geschäften nachgehen!"
In diesem Moment sprang er auf, griff nach seinem Beutel und schubste mich zur Seite. Ich taumelte und konnte nur noch beobachten, wie er hinter dem nächsten Hyrd verschwand.
Anstatt meine Gedanken zu entwirren, verschlimmerte er nur noch das Durcheinander in meinem Kopf. Woher dieser Haß? Weshalb die Betrügereien, wenn nicht aus purem Trotz? Und nun, da der Braumeister tot war, gab es kein einziges gutes Wort für ihn? Ich ließ den Kopf hängen und versuchte, auf dem Weg zum Höfdhingrathyrd meine Gedanken zu ordnen.
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