Seite: 1 · 2

Abends wenn ich schlafen geh`

Autor(en): Julien Devereux

Ratlos blickte ich auf unsere halbleeren Regale. "Fréderc", meine Stimme wurde lauter, "ich habe nur noch eine Idee!" "Ja, Vater", er sah mich etwas ungläubig an, "also wenn du erwartest, dass ich ..." "Nein, nein, du sollst keine Kräuter sammeln gehen", Kinder haben doch wirklich seltsame Gedanken, "Du erinnerst dich doch noch an jenes geheimnisvolle Substanz, die mir dieser Heiler, dieses gelbe, schlitzäugige Wesen aus ... ach ich weiß es nicht mehr, einstmals geschenkt hat..." "Aolai?" "Nunja, es sah dort aus, wie das Gebäude der Blumenküstenwache ... - egal. Ich hole es und du gehst zum "Plappernden Wolf" und besorgst uns jede Menge Hedensaft. Oder wenigstens Yakhmilch. Aber besser .."

Kaum hatte ich meine Wort ausgesprochen, war er schon weg. Sicher nicht wegen der gehaltvollen Getränke, eher, weil er wohl ein gewisses Interesse hatte, der Stadthalterin persönlich über den Weg zu laufen ..."

Es dauerte und dauerte, aber kaum dass es dämmerte kam er endlich wieder. Zwei Krüge von Hedensaft unter dem Arm und eine - nicht nur wegen der Kälte - verdächtig rote Nase.

"Schön, dass du endlich kommst. Ich habe schon alles vorbereitet." Vorsichtig erwärmte ich die geistreiche Flüssigkeit, um dann jene aus den Samenhülsen von Schlafmohnkapsel gewonnene milchig-weiße Substanz darin aufzulösen. "Fréderic", sprach ich, während ich die Mischung im Eiswasser langsam herabkühlte, "ich werde dieses Gebräu - in Tradition zu meinem alten Lehrmeister, der auch eine echte Schlafpille war, Laudanum nennen". Frédric staunte nicht schlecht. Kellergeist und Schlafmohnsamenmilch - eine einfache, aber sehr gehaltvolle Mischung.

Nachdem ich die Lösung in kleine Fläschchen abgefüllt hatte, musste ich an meinem alten Freund Bai-Rhon denken - neben dem vielgepriesenen Laudanum war er es, der in seinem Umfeld dereinst ein wahre Rauschkultur ins Leben gerufen hatte. Dennoch - auch meinem Freund Ti-Mosi Lie-Rhi, würde ich demnächst ein Denkmal setzen - bei der jetzigen Situation dürfte die Nachfrage nach heilbringenden, entspannenden Substanzen sicherlich noch ansteigen - und ich wäre wahrlich ein schlechter Phamaceuticus, wenn ich nicht meinen Patienten aktiv mit Rat und Tat - oder besser mit Runk und Trunk - zur Seite stehen würde....