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Frohe Walinacht!

Autor(en): Moira Wolfsfell

"Ja, genau! Fünfzig Karren Salz brauche ich! Und zwar schnell!"
Der Lagerist starrte mich ungläubig an. "Wofür denn das?" fuhr er mich an. "Wollt ihr eine Herde Gastropoden pökeln?"
Ich verzichtete darauf, ihm zu erklären, daß diese schneckenähnlichen Monster, die in der Gegend Ulfurstuds gesichtet wurden, sich vermutlich bei der Berührung mit Salz lediglich auflösten, wie es jede guterzogene Schnecke tun würde und fuhr stur fort: "Fünfzig Karren. Bringt es zum Plappernden Wolf. Dann sehen wir weiter!"

Es dauerte einige Fässer, bis das Salz vor der Gaststätte zu einem riesigen Berg aufgeschüttet war. Die verwunderten Blicke der vorübergehenden Studurbewohner brachten mich nur kurzzeitig zum Zweifeln, um gleich darauf noch besser gelaunt mit meinem Werk zu beginnen. Mit Eimern und Schaufeln überschüttete ich das Hyrd ganz und gar mit Salz. Hin und wieder goß ich vom Dach aus einen Eimer Wasser auf das rieselnde Pulver, um es zu härten. Der Schweiß rann mir dabei in Bächen von der Stirn, und während die Sonne meinen Körper briet, schaufelte ich fröhlich und pfeifend vor mich hin.
"Moira? Was macht ihr denn da schon wieder für einen Blödsinn?" vernahm ich von der Straße eine vertraute Stimme.
"Schnee, Grisgrim!" ließ ich die Antwort vom Dach hinunterpurzeln. "Schnee!"
Es dauerte eine Weile, bis ich ein Räuspern vernahm. Ich tapste vorsichtig auf dem herrlich knirschenden Salz zum Rand des Daches und schaute hinunter. Vor meiner Gaststätte hatte sich eine Menschentraube gebildet, die tuschelte und skeptische Blicke verteilte.
"Schnee?" antwortete der Flutydlydrar Grisgrim, nun, da er mich sah.
"Schnee. Was denn sonst? Meint ihr, ich wollte mein Hyrd pökeln?"
An Grisgrims Blick sah ich, daß dies wohl durchaus seine Annahme gewesen war.
Ich sprang fröhlich pfeifend auf eine Tonne weiter auf die Straße.
"Wißt ihr, ich vermisse die kalten Abende, den Schnee, den Wind, der mir eisig um die Nase weht. Und da dachte ich..." - "Ihr dachtet?" fuhr er mich lachend an, "Wann habt ihr schonmal gedacht, Moira?"
Nun wurde er wirklich gemein.Und dennoch war ich über seine Reaktion mehr als überrascht. Zugegeben, ich hatte nicht einen Gedanken an die Konsequenzen verschwendet - ich verschwendete allerdings auch recht ungern Gedanken an zukünftige Ereignisse, schließlich konnte man sie viel besser für gegenwärtige benutzen! - doch mit einem gutmütigen Ex-Werir hatte ich in Anbetracht dieser Sauerei nicht gerechnet. Ich schaute ihn an und folgte daraufhin seinem glänzenden Blick.



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