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Windspiel

Autor(en): Moira Wolfsfell

"Da seid ihr ja!"
Eine erfreulich bekannte und herrlich dunkle Stimme umschmeichelte meine Ohren, die vermutlich sofort begannen, rot anzulaufen.
"Tyggris!" rief ich freudestrahlend "Schön euch zu sehen!"
Ich breitete die Arme aus, und drückte ihn erst einmal. Ich gebe zu, ich war ein wenig vorschnell. Aber ich wollte ihn drücken. Und zwar jetzt.
"Was ist hier passiert? Moira, sagt es mir!" Tyggris schob mich, um mir in die Augen zu schauen, ein Stück von sich weg. Ich hatte es ziemlich schwer, meine Umklammerung seines Körpers nicht zu lösen, doch ich schaffte es, ihn wieder an meine Brust zu drücken und ihm geheimnisvoll ins Ohr zu flüstern: "Ich habe da eine Idee."

In Wirklichkeit hatte ich nicht die Spur einer Idee, aber ich brauchte einen Grund, in seiner unmittelbaren Nähe zu sein, will sagen: an seinem Körper zu kleben. Also verband ich flugs Jedders Aussagen mit meinen gerade gemachten Erfahrungen auf den Straßen der Studur und brabbelte weiter: "Ich schätze, als wir weg waren, ist die Zeit hier innerhalb der Studurmauern wie im Fluge vergangen. Zehn Jahre sind seitdem ins Land gegangen, und die Studur hat sich verändert!"

Tyggris drückte mich erneut ein Stück von sich weg und schaute mir tief in die Augen: "Wißt ihr was, meine liebe Moira, das glaube ich auch."

Ich begann gerade, an seinem Verstand zu zweifeln, wollte ihm erklären, daß diese Dyst-Idee (wie komme ich gerade auf "Dyst"?) gerade erst meiner Fantasie entsprungen war, da veränderte sich mein fröhliches, auf andere Kosten gehendes Kichern in ein hysterisches Gelächter. Ich ließ von Tyggris ab, lachte und lachte, Tränen schossen mir in die Augen, und ich hielt mir den Bauch. Fast vergaß ich zu atmen, verschluckte mich auch schon an meinem eigenen Gelächter und hustete fragend: "Was?"

Tyggris hübsches Gesicht hatte seinen Ausdruck nicht verändert.
Er nickte nur, drehte sich um und verschwand in der Menge.


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