· 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29 · 30 · 31 · 32 · 33 · 34 · 35 · 36 · 37 · 38
Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Ich lief einmal quer durch die Studur, um zum Außenposten zu gelangen, über den Marktplatz, vorbei an den Menn und Kunnyren, die eifrig dabei waren, die Hedensaftbrauerei wieder aufzubauen. Dabei warf ich einen Blick in das kürzlich von Jedder van Djik, einem scheinbar sehr netten und reichen Frysen, erworbenen Hyrd, welches mit wunderschön gegerbten Fellen verziert und wahrlich künstlerisch gebaut ward. Schließlich erreichte ich die Räume der Blymströndervördur.Es erstaunte mich immer wieder, wie aolaiische Architekten dieses Bauwerk zusammengezimmert haben. Es wirkt so leicht, so zart, und doch trotzt es dem Eis und Schnee Waligois. Es erinnerte mich an die Blumen, die vor Kajas Hütte wuchsen, und ich faßte mir an mein Haar und zupfte das mitgenommene Grünzeug heraus. Als ich es betrachtete, mußte ich an Orgus denken. Ein gerade 16jähriger junger Mannr, der seinen Vater haßte. Ich hatte meinen Vater nie kennengelernt, doch bin ich, denke ich an Orgus, auch ein wenig froh darüber. Wenigstens mußte ich niemanden hassen, den ich doch eigentlich lieben sollte. Traurig ließ ich das unschuldige Blümchen fallen und betrat den Außenposten der Blymströndervördur.
"Halt! Stehengeblieben!" wurde ich freundlich begrüßt.
"Moira Wolfsfell, Stadthalterin Ulfurstuds", plapperte ich los und wollte gerade an dem netten Mannr, der mir so angriffslustig seine Axt entgegenhielt, vorbeilaufen, als er diese noch näher an meinen Hals führte.
"Ich sagte: 'Halt'!"
Ich schluckte. "Moira Wolfsfell, Stadt..."
"Ich hab Euch verstanden! Was wollt Ihr hier?"
"Das geht Euch nichts an", erwiderte ich stur und rutschte ein wenig an der Axt vorbei.
"Ihr befindet Euch auf dem Grund und Boden der Blymströndervördur! Dazu habt Ihr kein Recht. Also was wollt Ihr?"
Der Mannr begann, meine Nerven zu strapazieren. "Nun gut", gab ich schließlich nach, "ich suche Tyggris. Der Flutydlydrar Grisgrim hat mich geschickt, mit ihm zu reden."
"Der Flutydlydrar?" Der Soldat schien allmählich zu verstehen. Unterwürfig nahm er seine bedrohlich große Axt herunter und sein Körper beugte sich vermutlich unter der Verantwortung, einem so großen und edlen Werir zu dienen. "Ich werde ihn rufen lassen. So wartet hier."
Und ich wartete. Gern hätte ich mir die Zeit mit einem köstlichen Schwarzbohnentrunk vertrieben, doch von Gastfreundschaft hatten die hier scheinbar noch nicht viel gehört. Es dauerte eine Weile, bis ein junger Soldat aus einem der Gebäude trat und suchend in meine Richtung schaute. Ich winkte ihm zu und lächelte. Welch prächtiger Körperbau! Welch starke Schultern! Entzückt ob meines adretten Gesprächspartners zupfte ich meinen Umhang zurecht und fuhr mir mit der Hand durchs Haar.
weiter >>>