· 23 · 24 · 25 · 26 · 27 · 28 · 29 · 30 · 31 · 32 · 33 · 34 · 35 · 36 · 37 · 38
Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Das Holz knarrte bedenklich unter meinen Füßen, doch ich hatte das Gefühl, daß das Feuer im oberen Stockwerk ausgebrochen war. Ich wollte auf keinen Fall von unter meinen Füßen brechenden Planken überrascht werden und in eine Feuerbrunst im Keller stürzen. Langsam, vorsichtig und Schritt für Schritt bewegte ich mich vorwärts - bis ich an die Treppe gelangte. Die verzweifelten Schreie, die ich zuvor von draußen gehört hatte, waren längst erstorben, und ich hoffte bitterlich, daß ich nicht zu spät kam. Ich spähte in die Dunkelheit die Treppe hinauf und konnte lediglich einen Reigen von Schatten und Licht an den Wänden tanzen sehen. Vorsichtig kroch ich die Treppe hinauf. Die Hitze wurde größer, der Rauch dicker. Der Schweiß rann mir von der Stirn, so heiß ward es mittlerweile im Hyrd geworden. Ich erreichte schwer atmend das obere Stockwerk und blieb vor Schreck stehen: Der ganze Raum war in Feuer getaucht. Orange-rote Flammenzungen bewegten sich geschmeidig und doch gleichzeitig gefährlich an den Wänden entlang und fraßen sich an dem Holz des Bodens und dem Reisig der Decke satt. Brennende Balken hingen halb auf den noch stehenden Wänden, halb lagen sie auf dem Boden. In jeden Falle jedoch versperrten sie mir den Weg zu den anliegenden Räumen. "Ist da jemand?" rief ich laut in die tosende Feuermacht hinein und wurde alsbald von einem heftigen Husten geschüttelt. Meine Augen begannen zu tränen, als ich versuchte, Luft zu holen, um meinen Husten zu beruhigen. Mir wurde schwindlig, und einen Moment lang dachte ich, ich würde ohnmächtig werden. Doch ich faßte mich und ging auf die brennenden Balken zu. Ich könnte es schaffen, unter ihnen durchzulaufen, um zu den anderen Räumen zu gelangen, dachte ich - zu allem bereit. Und ich würde es versuchen. Noch ein letztes Mal sprach ich ein Stoßgebet zu Höggr und hechtete unter den Balken hindurch. Ich rollte mich nach meinem Sprung ab und war froh, nicht unter dem Holz begraben worden zu sein. Zurecht. Denn nur einen Augenblick später brach einer der Balken mit heftigem Getöse durch den Boden und riß die Hälfte der Planken mit sich in die Tiefe. Ich rappelte mich erschrocken auf und hetzte weiter. Plötzlich bemerkte ich einen Stich an meinem Rücken. Dann wurde es - försakret - sehr, sehr heiß! Ich drehte mich und erwischte einen Blick auf meinen Umhang, der noch immer auf meinen Schultern lag und Feuer gefangen hatte! Mit einem spitzen Schrei warf ich das Unglücksding von mir und fuhr mir entsetzt durch die Haare. "Ich brenne, ich brenne!" rief ich ungehalten, bemerkte jedoch bald, daß nur der Umhang sich entzündet hatte.
weiter >>>