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Dekadent

Autor(en): Grisgrim & Moira Wolfsfell

Grisgrim:


"Hu-hu, Moira, egal was hier passiert ist, die Frauen sind hier sehr viel netter geworden."
Moira schaute mich verdutzt an. Dann lächelte sie breit. "Grisgrim", rief sie "diese jungen, opulenten, aufgeschlossenen Damen sind Dirnen."
Ich schaute die vollbusige Blonde zu meiner Rechten an. "Stimmt das?"
Der Gedanke, daß es in Ulfurstud Dirnen geben sollte, war so abwegig, so ungeheuerlich - hier war etwas gehörig schief gelaufen.
Ich stand auf und bemerkte nur nebenbei, wie die Dame zu Boden stürzte. Ich trat durch den Gastraum zu Moira. "Was hat eigentlich Dein neuer Angestellter gesagt, daß es Dich zu Boden warf?"
"Er kennt mich noch nicht einmal", entgegnete Moira niedergeschlagen. "Isagra ist tot."
Nun war sie da, das Faß war übergelaufen. meine Wut brauchte ein Ventil. Meine Axt krachte in den Tresen.
"Hil vartagarr! Stellt Euch Ihr Dämonen und mehret die Erde.
Melnor Tonala steht hier und erwartet Euch!"

Urplötzlich hatte ich die Aufmerksamkeit auf meiner Seite. Alle Gespräche verstummten und die Leute sahen mich verblüfft an. Moira schaute mich verwundert an: "Melnor? Wer ist Melnor?"
Der Wirt schaute mich an, wie man einen vermeintlich Irren anschaut, der eine Waffe schwingt. Eine der Dirnen war nach draußen gerannt und kam mit zwei Uniformierten zurück.
Uniformierte war etwas zuviel. Es handelte sich um zwei ungewaschene, zerzauste Männer, die etwas hilflos in die Uniform der Blumenküstenwache gesteckt worden waren. Diese Kerle hatten noch nie die Ausbildung eines Byrdmannr genossen, soviel stand fest.
Sie zogen ihre Waffen und kamen näher.

Die Zeit für viele Gedanken war nun vorbei und ich tat das einzig Richtige in dieser Situation: Ich zog meine Axt aus den Tresen und stimmte lauthals ein Kriegslied der Blumenküstenwache "Flower Power" an.

Dann griffen die beiden an...


Sie trugen zwar die Uniform der Blumenküstenwache, doch war klar ersichtlich, daß sie nicht die Ausbildung von Zolon oder Hao Umm genossen hatten.
Der Erste verhalf mir zu einer Klinge, so daß meine Axt nun in der Linken defensive Aufgaben übernahm. Sein Kopf war genau beim dramaturgischen Höhepunkt des Refrains von mir gespalten worden. Jetzt Begann die zweite Strophe und... der zweite Soldat floh.
Wie im Rausch rannte ich hinter ihm her. Das Lied verfehlte nicht seine Wirkung, war es doch für Schlachten komponiert worden.
Ulfurstud gab es nun wesentlich mehr Gebäude, die schemenhaft an mir vorbeizogen, den Blick konzentriert auf mein Opfer. Schon bald wußte ich nicht mehr wo ich war. Den Verfolgten sah ich noch hinter eine Ecke verschwinden. Dann erreichte ich eine Kreuzung, die menschenleer war. Ich schaute nach rechts, nach links und drehte mich. Das Lied hatte ein Eigenleben entwickelt, und die Worte sprudelten mir, wenn jetzt auch etwas leiser, ununterbrochen über meine Lippen.



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