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Des Braumeisters Tod

Autor(en): Moira Wolfsfell

Mein Ärger brachte mich zum "Plappernden Wolf", in dem ich mir von einer starken Yakhmilch Trost versprach. Es paßte doch alles zusammen. Ein Vater, der den Sohn verlor, ein Racheplan, der Tod durch Feuer. Das Innere meines Schädels fühlte sich an, als wäre ein Sturm hindurchgepeitscht. Nichts war mehr dort, wo es hingehörte. Es herrschte ein völliges Durcheinander.

Kurz vor der Gaststätte erschrak ich plötzlich bis ins Mark. Gedankenverloren marschierte ich die Wege der Studur entlang, meinen Blick fest auf den Boden gerichtet, als ich ein Paar Stiefel erblickte, die in meinem Weg standen. Die mit einer hübschen Goldspange verzierten Stiefel gehörten zu einem ansehnlichen Mannr, der mir nicht ganz unbekannt vorkam. Wo hatte ich ihn nur schon Mal gesehen? Und da schoß mir der Gedanke quer durch meinen Kopf, prallte mehrere Male von meiner Schädeldecke ab und landete mittenmang in meinem Bewußtsein: "Vid Hyldir!" Ich erkannte mit einem Male die Stiefel des Mannr, der die Truhe im Hyrd Bráthords durchwühlt hatte! Und im nächsten Augenblick erkannte ich ihn: Ayvon Ashadij do Ley, seines Zeichens Korsar und Kapitän auf der "Blutschwinge".
Es ist nicht lange her, daß wir uns auf der großen Hochzeitsfeierlichkeit in Arakossum kennenlernten. Es war verwirrend, wie ich mir im Nachhinein eingestehen mußte. Plötzlich befand ich mich in einer sehr verfänglichen Situation, als ich die Werirkette... Nun, das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.
Ich starrte auf die Stiefel und konnte meinen Blick nicht lösen. Konnte es sein, daß...?
"Moira? Moira Hasenfell?". Ayvon lachte gurgelnd und schaute mich verschmitzt an.
"Wolfsfell!" verbesserte ich, noch immer durcheinander, doch wohl dazu in der Lage, eine Unverschämtheit nicht auf mir sitzen zu lassen.
"Ist recht, werte Wolfsfell. Sagt mir, was starrt Ihr mich so an, als würdet Ihr einen Geist sehen?"
Meine unschuldigste Miene aufsetzend brummte ich: "Was führt Euch nach Ulfurstud? Seid Ihr auf der Durchreise?"
"Aber, aber, ich wollte Eure wunderschöne Stadt, deren Geschichten und Gerüchte so zahlreich und fantastisch sind, bewundern. Ist etwas falsch daran?"
Ich war mir nicht ganz sicher, wie ein Korsar, bewaffnet mit einem schweren Säbel und gut und gerne einen Fotyr größer als ich, handeln würde, schimpfte ich ihn einen Dieb. Also tat ich es einfach: "Werter Ayvon do Ley, ich habe Euch im Hyrd des Braumeisters Bráthord gesehen, als Ihr gerade dabei ward, sein Eigentum zu durchwühlen!"
Ein kurzer, überraschter Blick, dann folgte ein Schmunzeln. "Wie ich sehe, seid Ihr sehr aufmerksam. Doch ich warne Euch, diese Aufmerksamkeit zu verlieren. Haltet Augen und Ohren offen, ansonsten wird Euch Euer Wissen vielleicht zum Verhängnis!" Damit ließ er mich auf der Straße stehen.
Als ich mir über seine Worte klar geworden war, machte ich, daß ich weg kam!

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