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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Mittlerweile war es Abend geworden. Ein kräftiger Wind zog auf und ließ mich frösteln. Die Zeit erschien mir, wie im Fluge zu vergehen, und die dicken, grauen Wolken, die sich allzu schnell über das Himmelszelt schoben, unterstrichen dieses Gefühl.Es würden nur noch wenige Hunren geleert, bis die Bestattung beginnen sollte. Deshalb machte ich mich auf den Weg zum Hafen.
Die wenigen Skeppen, die dort vor Anker lagen, klapperten ihre eigene kleine Musik. Der Wind wühlte den Fjord auf, so daß sie munter auf den Wellen tanzten. In der Ferne sah ich das Skepp der Korsaren, das noch immer vor Anker lag. Sie haben das gefunden, wonach sie gesucht haben, grübelte ich. Welchen Grund sollten sie haben, noch länger in Ulfurstud zu bleiben? Ich würde früher oder später Gewißheit darüber haben, was hier genau vor sich ging.
Zuerst würde ich Bráthord die letzte Ehre erweisen. Ein Säufer und Schmuggler, ein feiger Hund, der vermutlich den Tod von 24 jungen Menn zu verantworten hatte. Doch er ist der Braumeister der Hedensaftbrauerei gewesen, liebender Mannr und mir gegenüber immer ein freundlicher und zuvorkommender Mensch.
Die ersten Fackeln für die Zeremonie wurden am mir-estlichen Ende der Studur, wenige Fotyren von meiner Hütte entfernt, aufgereiht. Dort gab es einen kleinen Strand, der jedoch die meiste Zeit des Jahres zugefroren war. Die kleinen Kiesel boten genügend Halt für die Fackeln, und die Helfer waren eifrig bemüht, die Zeremonie so schön wie möglich zu gestalten. Ich beobachtete das Treiben und erfreute mich an der vertrauten Tradition.
Ein Hunr später hatten sich schon viele der Stadtbewohner am Ufer des Gyldurfjords eingefunden. Auch der Werir stand, umgeben von drei Soldaten der Blymströndervördur, bereits am Ufer und blickte hinaus auf die aufgewühlte See. Der Wind peitschte düster gegen die Felsen, die aus dem Wasser emporragten, und die aufschäumende Gischt vereinte sich mit dem Gegenlicht des Sonnenuntergangs zu einem farbenprächtigen Kunstwerk. Es war alles vorbereitet. Die Hunren ertönten, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Auf einem schmalen Skepp aufgebahrt lag dort Bráthord. Vier Menn hoben das Skepp auf die Schultern und liefen mit diesem langsam und bedächtig den Strand hinab. Schritt für Schritt näherten sie sich dem Wasser, erreichten es schließlich und liefen ruhig weiter. Hinein in das eiskalte Nass, bis sie bis zu der Hüfte im Wasser standen. Ein weiteres, dumpfes Signal der Hunren veranlaßte sie, das Skepp auf die wogenden Wellen abzusetzen. Noch hielten sie das sich stetig hebende und senkende Boot fest, noch sollte es nicht den Fluß hinab ins ewige Meer fahren. Die Fackeln wurden angezündet und bildeten einen warm erleuchteten Weg zum Ufer. Es schritt Grisgrim, der Werir der Heden mit einer weiteren Fackel den strahlenden Pfad entlang, bis er zum Skepp gelangte, welches die letzte Ruhestätte Bráthords sein sollte. Er erhob seine Stimme und begann, die Totenrede zu halten.
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