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Des Braumeisters Tod
Autor(en): Moira Wolfsfell
Ich weiß nicht, wie lange ich auf den Holzplanken neben dem Toten gelegen hatte, doch bemerkte ich plötzlich einige Tropfen auf meinem Gesicht. Der Qualm hatte sich ein wenig gelichtet und ich erkannte langsam, wo ich mich befand. Meine Kleidung war durchnäßt und mein Körper schmerzte. Tief atmete ich die kühle, nach bitterem, verbrannten Holz riechende Luft ein. Mein Atem pfiff leise, und mit einem Mal wurde ich mir der Gefahr bewußt, in welcher ich mich noch immer befand. Ruckartig sprang ich auf und stolperte unsicher durch den Raum. Ich drehte mich um und blickte zu der Stelle, an der ich noch eben gelegen hatte. Ein Schauer durchzuckte meinen Körper:Ein Balken hatte sich quer über den Oberkörper des Mannr gelegt, den ich noch wenige Momente zuvor aus den Flammen hatte retten wollen. Ich hätte dort an seiner Stelle mit zerschmetterten Knochen liegen können! Ich ward mir meines verdammten Glückes bewußt, und mir wurde erneut übel. Während ich im Qualm und Rauch des unter uns tobenden Feuers ohnmächtig auf dem hölzernen Boden gelegen hatte, wurde der vermutlich bereits tote Mannr von einem Balken getroffen. Bei Höggr! Meine Knie wurden weich und ich sackte zusammen.
Nun erkannte ich den Toten. Es war der Braumeister der Hedensaftbrauerei; doch wie sein Name war, wollte mir beim besten Willen nicht mehr einfallen. Der Mannr arbeitete noch nicht lange in Ulfurstud. Ich erinnerte mich an einen Mannr, der zuvor den Posten des Hedensaftbraumeisters inne hatte. Dieser ward zu alt geworden, als daß er die schweren Fässer heben und die beeindruckend großen Kessel hätte befüllen können. Wie lange war es her, daß der Alte seinen Beruf aufgegeben hatte? Sicher einige Monate.
Ich schaute wieder auf den Toten. Sein Körper lag merkwürdig verdreht auf dem Boden, das Leben war aus ihm gewichen. Seltsam. Gestern hatte ich noch mit ihm geredet, und nun wartete ich nur sehnlichst darauf, daß er wenigstens atmen würde. Atmen - diese beruhigende Bewegung des Brustkorbs. Doch es geschah nichts. Seine Haut war fahl und gelb und von Ruß bedeckt. Ich wandte meinen Blick ab.
"Regnete es?", kam mir unterdessen der Gedanke. Dankbar ließ ich die Tropfen, die sich durch die wenigen Reste des Reisigdaches kämpften, auf mein Gesicht prasseln. Ich blickte nach oben und sah durch den Qualm und die Löcher des Daches den blauen Himmel. Meine Lunge brannte wie Feuer und meine Augen tränten, als wäre ich von meinem Werir zum Zwiebelschneiden gerufen worden.
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