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Zum Hügel

Autor(en): André Jarosch

Slaceo stürzte in den Baderaum und hastete um das Badebecken herum, um ein Oberlicht zu öffnen, damit Tageslicht in den Raum strömen konnte. Er hatte einen Schrei vernommen, und das, obwohl sich außer ihm doch gar niemand im Gebäude aufhalten konnte. Die Eröffnung würde erst nächste Woche stattfinden, und selbst Moiras Vorab-Besuch war erst für den nächsten Tag angesetzt. Mit unruhigem Blick suchte er den Raum ab. Lange mußte er sich nicht umsehen, zu offensichtlich war der Verursacher des Geräusches: mitten im Badebecken stand eine exotisch aussehende Frau, exotisch selbst für hiesige Verhältnisse. Ihre Haut war so braun wie eine Haselnuss, ihre großen Augen und ihr lang wallendes Haar hatten eine ebenso braune Farbe, obwohl - Slaceos bisherigen Erfahrungen nach - dunkelhäutige Menschen eher zu schwarzen Haaren neigten. Ihr leicht bekleideter Körper war von atemberaubender Form, welche von den an ihr klebenden feuchten Kleidern und Haaren noch betont wurde. Sie starrte ihn aus weitaufgerissenen Augen und mit zum Schrei geöffnetem Mund an, doch sie gab keinen Ton von sich. Ihre wie seine Augen gewöhnten sich an den Wechsel der Lichtverhältnisse, so daß auch sie ihn nun genau erkannte, und er ein Detail an ihr ausmachte, welches ihm zuvor entgangen war: Die Ohrmuscheln der Fremden verjüngten sich nach oben hin!

"Tuach na Moch!" kam es über seine Lippen, während er sich voller Angst gegen eine der Holzsäulen drückte, als ob er so dem Blick der vermeintlichen Hügelfrau entgehen könnte.

Die Rückkehr des Lichts und die lächerliche Gestalt, die sich der Frau in Person des ängstlichen Thuatha bot, ließ sie ihre Fassung zurückgewinnen und die Stufen hinaufsteigen, die aus dem Wasserbecken heraus zur Erdoberfläche führten. Bei jedem ihrer Schritte wich das Wasser weiter von ihrem Körper zurück. Nachdem sie die letzte Stufe heraufgekommen war, stand sie mit völlig trockener Haut und Haaren am Beckenrand. Während sie sich langsam auf Slaceo zubewegte, wehte ihre Kleidung und ihr Haar - obschon sich kein Lüftchen in dem Raum bewegte. Slaceo sah sprachlos zu, wie der Luftzug ihre Formen atemberaubend zur Geltung brachte.

"Ich bin Namora, die Oreade von Nor-Gyldurfjord." stellte sie sich vor und fügte mit mehr Nachdruck hinzu: "Herrin des Hügels!"

Slaceo wurde bleich. "Doch eine vom Hügelvolk..." schoß es ihm durch den Kopf, "...sie hat es soeben selbst gesagt." Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn.

Sie zeigte mit dem Finger auf Slaceo und kam näher. Für einen Nicht-Thuatha hätte sie nicht gerade bedrohlich ausgesehen, doch aus Slaceos Sicht gestaltete sich das ein wenig anders... "Was habt ihr Menschen mit meinem Hügel gemacht? Wo sind die Bäume? Was macht das Wasser hier? Und wer bist DU überhaupt?"

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