Fridurfaerdr
Autor(en): Grisgrim
- VI -
Die Heimkehr
Die lange und gefährliche Überfahrt begann. Durch die Hymir, vorbei an den Küsten Albyons ging es durchs Meer der Träume gen Huanaca. Vieles war nach den Kämpfen instandgesetzt worden, doch sollte die Blumenküste aufgerüstet werden - was vor allem durch die Gründung der Blymdströndervördur/ Blumenküstenwache geschehen sollte. Natürlich besuchte ich meine Familie und freute mich über die guten Geschäfte, die sie momentan mit befreundeten vorbeiziehenden Truppen machte (ich sage nur Leiterverkauf...). Bei so glänzenden Geschäften mußte ich wohl dafür sorgen, daß das Land, was momentan dem Jarkhan treuhänderisch unterstand, wieder in meinen Besitz überging...). Abermals und unter großen Strapazen reiste ich ins verborgende Tal. Da mein Haus, wie bereits erwähnt, direkt an ein Bergmassiv gebaut war, suchte ich die freie Felswand in ihm auf. Nach der Übersetzung Gryggr des Alten befand sich genau hier ein planares Tor. Dieses beabsichtigte ich nun zu öffnen...
Ich kramte den Zettel hervor und sprach die Worte, die dort drauf standen.
Nichts geschah! Also wiederholte ich es, wobei ich die Betonungen änderte. Doch abermals wollte nichts passieren. Dies wiederholte noch lange Zeit, doch stets ohne sichtbarem Ergebnis. Schon wollte ich aufgeben, rief sie jedoch ein letztes Mal zornig gegen die Wand die immer noch kalt und hart vor mir auftürmte, sich jedoch ansonsten nicht weiter verändert hatte. Plötzlich und völlig unerwartet bildete sich eine faustgroße Lichtkugel an dem Massiv. Sie teilte sich, wobei ein Teil nach oben und einer nach unten wanderte. Bald entstand ein großer senkrechter Strich genau vor meinen Augen. Er schien irgendwie lebendig zu pulsieren. Erneut änderte sich das Gebilde und der Strich erweiterte nach rechts und links und schuf somit ein mannshohes und etwa ein Klafter breites Rechteck.
Nicht einmal anderthalb Schritt vor mir war auf einmal ein Durchgang, der zu einer Treppe führte, die wie aus dem Nichts direkt im Fels entstanden war. Angesichts der Tatsache, daß ich nie zu hoffen gewagt hatte, dieses Tor jemals zu erblicken, konnte und wollte ich diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Ich begann die Treppe hinabzusteigen. Ein stechender Verwesungsgeruch drang in meine Nasenhöhlen. Er war so stark, daß er mich beinahe wanken ließ und ich hastig weitereilte.
Was ich unten sah, beschreibe ich lieber nicht, es war abscheulich. Nur eines: gleich zu Beginn wurde mein Blick wie magisch auf eine weiße Schatulle gezogen, auf der etwas geschrieben zu stehen schien - und auch wieder nicht. Es erschien immer wieder ein Wort in Schrift und Schriftzeichen, die ich mein Lebtag noch nicht gesehen hatte. Als ich mich nur darauf konzentrierte und abwartete, erschien es auch in meiner Muttersprache. "Melnor" las ich dort in vertrauter, unvertrauter Schrift meinen Namen und war gleichzeitig beinahe überzeugt, daß dies alles nur ein Hirngespinst meines armen gepeinigten Geistes war, der zudem noch befürchtete, hier nie wieder herauszukommen.
Mit aller Kraft wandte den Blick von der wechselnden Schrift, nahm die Schatulle, eilte nach oben und verließ die Dunkelheit durch das Tor. Es schloß sich daraufhin sofort hinter mir, wobei sich kurz der Raum ganz verdunkelte - ganz so, als wäre kurz alles Licht verschluckt worden.
Nachdem ich meine Fassung wiedergefunden hatte, siegte meine Neugier und ich untersuchte als erstes die Schatulle.
Sie war natürlich verschlossen, der wechselnde Name verschwunden, aber wie sollte es anders sein: der Schlüssel paßte. Darin fand ich einen silbernen Ring und diverse Pergamente in verschiedensten Sprachen. Merkwürdig erschien mir nur, daß weitaus mehr Dinge in der Schatulle waren, als eigentlich hätten hineingehen dürfen. Auf einem, dem Anschein nach älterem Pergament, war der Ring und seltsame Schriftzeichen abgebildet - eine Beschreibung zur Handhabung, für mich aber leider ohne Zweifel unlesbar. Ein weiteres Dokument war glücklicherweise auf walisch und enthielt die Baupläne für ein Langschiff.
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